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Für alle zukünftigen Malta-Studenten und alle, die es einfach noch mal lesen möchten: Meinen Erlebnisbericht von der Insel gibt’s jetzt als PDF. Mit allen Blogeinträgen und vielen schönen Bildern. Zum Durchlesen, Ausdrucken oder auf’s iPad laden. Viel Spaß!
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Ein Samstagmorgen in Deutschland. Ich sitze im Auto, auf dem Weg ins münsterländische Greven. Das Radio spielt „Nossa“ und ich denke an Paceville. Ich habe mich erstaunlich schnell wieder in Deutschland eingelebt. Es ist fast so, als sei ich nie weg gewesen. Ich kann noch Auto fahren, sogar auf der rechten Seite und ohne andere zu rammen. Die kleinen Dinge des Lebens, auf die ich so lange gewartet habe, sind wieder da und fast wieder normal.
Ich fahre vorbei an Waschanlagen, vor denen junge Väter stehen. Sie warten wie jeden Samstag auf die Säuberung ihres Familien-Vans - „Jan und Julia an Board“ steht auf dem Heck. Ich fahre vorbei an Geschäften, die Schnittblumen verkaufen. Ich fahre vorbei an Dörfern mit Namen wie Westbevern-Vadrup, sehe akurat gepflegte Gärten und Trecker mit Karnevals-Wagen. Vor mir tuckert ein Mann mit Hut in einem teuren, blitzsauberen Benz, der nicht den kleinsten Kratzer im Lack hat. Er fährt konstant 85 und ich kann nicht überholen. Mir ist das egal. Die Welt ist so perfekt hier im Münsterland. Schade, dass die meisten hier das wahrscheinlich gar nicht wissen.
Ich fahre nach Greven, weil dort im DHL-Lager ein Paket für mich liegt. Ich habe das nur durch Zufall herausgefunden. Der Postbote hat keinen Zettel im Briefkasten hinterlassen und die Postfiliale im Dorf hatte auch keine Ahnung, wo mein Paket ist. Eigentlich fast ein Grund, sich aufzuregen oder zumindest zu ärgern. Aber auch das ist mir egal. Die Arbeitseinstellung der Malteser hat mich abgehärtet und gelassen gemacht. Das merke ich nicht nur an diesem Tag. Das merke ich jeden Tag.
Angekommen im Paket-Lager wünscht mir der Mitarbeiter einen guten Tag. Einen guten Tag. Er brüllt wirklich nicht einfach nur „Yes?!“ - er wünscht mir einen guten Tag! Und dann rennt er wild durch die Gegend, pendelt zwischen Lager, Telefon und mir, um seine Arbeit zu erledigen. “Ganz schlimm, wenn man allein im Büro ist”, schimpft er. Ich sage ihm, dass ich Zeit habe - er solle sich keinen Stress machen.
In Malta habe ich nie Menschen im Stress gesehen. Da wäre zwischen Lager, Telefon und mir sogar noch Zeit für ein langes Pläuschchen mit der Kollegin gewesen. Ich habe diese Gelassenheit immer gehasst. Doch die Münsterländer sind genau das andere Extrem. Immer im Stress und unzufrieden - obwohl sie ein friedliches, perfektes Leben in schöner Natur führen und eigentlich keinen Grund dazu haben. Diesen Leuten würde ich am liebsten ein ganz kleines bisschen maltesische Gelassenheit abgeben.
Der Lager-Mitarbeiter wünscht mir ein schönes Wochenende (wie lange habe ich das nicht gehört!), und ich fahre zurück nach Hause. Vorbei an akurat gepflegten Gärten, vorbei an Schnittblumen-Geschäften und perfekten Dörfern, wie Westbevern-Vadrup. Das Radio spielt “Levels” von Avicii und ich denke über die vergangenen fünf Monate nach. Der deutsche Alltag hat mich zurück. Und vermutlich werde auch ich früher oder später wieder dem typisch deutschen Leben verfallen. Aber irgendwo in mir wird immer so ein kleiner Malteser schlummern. Und der hilft mir, gelassen zu bleiben. Der hilft mir, sich nicht über Kleinigkeiten aufzuregen, und mit dem was ich habe zufrieden zu sein. Wahrscheinlich hat mir diese Erfahrung in Malta mehr gebracht, als ich zunächst dachte.
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Malta, Alter: Das Auslandstagebuch (Folge 18)
Das war’s. Unser Semester in Malta ist zuende - und somit endet auch unser Video-Blog. In der letzten Folge blicken wir auf unsere Zeit auf der Insel zurück und zeigen euch ein paar Szenen, die ihr so noch nicht gesehen habt.
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Ich habe ja wirklich gedacht, ich müsste in meinem letzten Blogeintrag sowas wie “beste Zeit meines Lebens” oder “ganz viele tolle Leute getroffen” schreiben. Und ich bin mir sicher: Wäre ich in die Schweiz, nach Belgien oder Irland gegangen, wäre auch genau das passiert. Aber ich bin nun mal nach Malta gegangen. Und das war genau die richtige Entscheidung. Denn dieses Land hat Spuren auf ganz anderer Ebene hinterlassen. Spuren, für die ich noch sehr lange dankbar sein werde.
Da werde auf den letzten Drücker wohl doch noch ein bisschen melancholisch. Während ich diesen Blogpost tippe, räumt Aaron sein (also unser) Zimmer leer. Es ist plötzlich genauso leer, wie am ersten Tag, als ich zum ersten Mal die Treppe erklommen und den Schlüssel ins Schlüsselloch gesteckt habe. Doch seit diesem Tag ist sehr viel passiert. Und jetzt steht diese eine Frage im Raum: Was hat das Ganze eigentlich gebracht?
Meine Kommilitonen aus der Heimat waren in den vergangenen Monaten in ganz Europa verstreut. In Irland, in der Schweiz, in Belgien und Amerika. Für die einen war es die längste Party ihres Lebens, für die anderen die Suche nach sich selbst. Die einen fanden die große Liebe, die anderen haben jetzt höhere Leberwerte. Doch für mich war dieses halbe Jahr irgendwie mehr. Denn ich bin nach Malta gegangen. Ein Land, das völlig anders ist. Anders als die Heimat und anders als der Rest Europas. Malta ist nicht diese „beste Zeit deines Lebens“, von der alle sprechen. Malta ist eher ein Abenteuer. Und ich denke, ich habe hier irgendwie für’s Leben gelernt.
Prägend für mein Semester war stets der Kontrast zwischen dem wunderschönen Malta mit Sonne, Strand, Meer und tollen Ausflügen – und dem Leben in Malta, das nicht immer ganz einfach war. Malta ist nicht nur klein und sieht völlig anders aus – die Menschen hier haben auch eine ganz andere Art zu Arbeiten und miteinander umzugehen. Und neben Sonne, Meer und Palmen kann Malta auch sehr hässlich sein.
Die alten, klapprigen Autos, die Schlagloch-Straßen, die bei Nieselregen überfluten, die gelben Häuser aus schmuddeligem Sandstein, die Stromleitungen über den Dächern. Die Menschen, die niemals lächeln. Ich habe in Malta meine Heimat wieder schätzen gelernt. Ich habe gelernt, wie schön und abwechslungsreich Deutschland eigentlich ist, das „Gelassenheit“ auch ziemlich nerven kann und das deutsche Präzision vielleicht doch nicht so schlecht ist.
Aber am meisten habe ich wohl in der University Residence gelernt. Ein Wohnheim, das es wohl so nirgendwo anders gibt. Bis zu elf Menschen in einem Apartment, zu wenig Platz, nicht ein Hauch von Privatsphäre. Ich war plötzlich einer Extremsituation ausgesetzt. So etwas kannte ich bis dato nicht. Und abgesehen von vielen netten aber auch verrückten Leuten, hat mir die Residence so viele menschliche Abgründe gezeigt, wie ich sie sonst vermutlich nie erlebt hätte. Diese ohnehin schon extreme Situation wurde durch das Wegfallen sämtlicher deutscher Standards noch verschärft. Sei es der unfreundliche Zimmerservice, Chlor im Wasser, eine versiffte Küche oder die Tatsache, dass man auf dieser Insel aus unerklärlichen Gründen ständig erkältet ist.
Doch umgehauen hat mich das alles nicht. Im Gegenteil. Ich habe stattdessen sehr viel gelernt - vor allem über mich selbst. Und ich habe gelernt, die kleinen Dinge des Lebens wieder schätzen zu lernen. All das hätte ich wohl nicht gelernt, wäre in ein Land gegangen, in dem ohnehin alles so ist, wie Zuhause.
Malta hat sich gelohnt. Denn mir wird nicht nur eine wunderschöne Zeit mit netten Menschen in Erinnerung bleiben. Ich nehme sogar noch ein bisschen mehr mit.

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Der Post “Menschen” hat meinem Blog nicht nur die höchsten Besucherzahlen seit Bestehen eingebracht - er ist auch durch sämtliche Übersetzungs-Tools gelaufen und hat für Diskussionen im Wohnheim gesorgt. Zeit für eine Fortsetzung - natürlich auch heute wieder völlig oberflächlich und behaftet mit Klischees.
Die Irin.
Die Irin muss grundsätzlich in Busse getragen werden, weil sie zu betrunken ist. Allerdings nicht (wie man vielleicht vermuten könnte) auf der Rückfahrt von einer Party. Nein, auf der Hinfahrt. Der Partyabend einer Irin (Partyabend ist siebenmal die Woche) beginnt mit drei zusammengeschobenen Tischen und zwei Jahresrationen Alkohol. Die Irin hat sich für diesen einzigartigen, unvergesslichen Abend in ihr kürzestes Kleidchen, ihre höchsten (und oft viel zu großen) Schuhe und ihren glitzernsten Schmuck geworfen. Manchmal malt sie sich auch ihr Gesicht an oder trägt einen Partyhut.
Dann macht die Irin Fotos von ihren Freundinnen, ihre Freundinnen machen das selbe. Die Fotos werden dann ins Facebook-Album “Erasmus Malta” geladen. Da ist übrigens kein einziges Foto von Malta drin. Nur Fotos von Tischen mit Flaschen drauf. Im Laufe des Abends trinkt die Irin so viel, dass sie irgendwann umfällt, ihr Kleid dreckig oder gleich ganz kaputt macht, heult und zum Finale irgendwo hin… bricht. Und weil all ihre Freundinnen das selbe machen, können sich nur Außenstehende daran erinnern, wie peinlich das letzte Nacht wieder war.
Der Begriff “Irin” gilt inzwischen als Sammelbegriff für diese Spezies Studentinnen und ist nicht zwangsläufig nationalitätenabhängig.
Der Wohnheimsvorstand.
Der Wohnheimsvorstand setzt sich aus ehemaligen Klassensprechern, AStA-Mitgliedern und ehrenamtlichen Rettungsschwimmern zusammen. Also alle sehr wichtig und überengagiert, und vor allem: auf der Suche nach einer neuen lebenserfüllenden Aufgabe. Sie kennen jeden, wissen alles (besser), sind überall dabei, haben zu allem etwas beizutragen, haben das Kommando wenn eigentlich andere das Kommando haben sollten und rühren ständig die Werbetrommel für irgendeinen Mist.
Und sollten mal Situationen eintreten, die alle betreffen (oder sagen wir: ihre Vorstellung von “alle”), dann sind sie sofort als repräsentatives Sprachrohr zur Stelle. Offiziell existiert dieser Vorstand natürlich nicht. Zumindest wurde nie einer demokratisch gewählt. Hier ernennt man sich einfach selbst zum Repräsentanten. Und dann ist das halt so.
Die Beste-Zeit-ihres-Lebens-Haberin.
Wenn man nach Malta kommt, ist man erst mal sehr euphorisch. Man hat plötzlich Sonne, Strand, Palmen und Meer und denkt, dass sei jetzt viel besser als Zuhause. Doch nach ein paar Wochen wird all das Alltag und man lernt auch hässliche Seiten der Insel kennen. Nicht so die Beste-Zeit-ihres-Lebens-Haberin. Die Beste-Zeit-ihres-Lebens-Haberin ist nach Malta gekommen, um (wie der Name schon sagt) die beste Zeit ihres Lebens zu haben. Und von diesem Plan lässt sie sich auch nicht abbringen.
Die Insel ist das beste, was ihr jemals passiert ist. Sie liebt alle Menschen und möchte, dass auch die die beste Zeit ihres Lebens haben. Ganz wichtig ist der Beste-Zeit-ihres-Lebens-Haberin, dass jeder sieht, dass in Malta alles besser ist als Zuhause. Darum muss man sie ständig vor Felsen und Palmen fotografieren.
Der ADS-Italiener.
Der ADS-Italiener muss bei allem, was er tut im Mittelpunkt stehen. Wenn er den Raum betritt, erwartetet er, das zumindest einer freudig seinen Namen brüllt. Geschieht das nicht, fängt der ADS-Italiener an zu singen. Seine Freunde stimmen mit ein, und hören erst wieder auf, wenn sämtliche Trommelfelle Senioren-Status erreicht haben.
Manchmal macht der ADS-Italiener mit seinen Freunden eine Art Karnevalsumzug. Wenn es im eigenen Haus zu langweilig wird, zieht er von Apartment zu Apartment und unterhält sich brüllt dort Menschen an. Die ADS-Italienerinnen untermalen dies mit lieblichem Gesang SCHEISS DRAUF, SCHLUSS MIT DER FREUNDLICHKEIT!! WENN NOCH EINER VON EUCH FLITZPIEPEN IN MEIN HAUS KOMMT UND DIESE GRÄSSLICHE ITALIENER-MUSIK SINGT, DANN WERFE ICH MIT … (Testbild und langer Piepton.)
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Hier mal wieder was aus der Kategorie “Service-Text für nachfolgende Malta-Generationen”: Ich bin ein Fan von Essen, und ich bin Student. Es muss also nicht nur lecker, sondern auch günstig sein. Die nachfolgende Liste enthält studentengerechte Restaurants und Imbissbuden, die mir ein Semester lang Freude bereitet haben.
Meine erste Empfehlung ist: Meidet die Uni-Mensa. Das Essen dort ist wirklich bäh (von einigen Ausnahmen, wie Baguettes und Sandwiches mal abgesehen), und die Bedienung brüllt dich unfreundlich an. Glücklicherweise gibt es ganz in der Nähe der Uni eine kleine Restaurantmeile, wo man gut und zum kleinen Preis essen gehen kann.
Meet n Eat, Msida.
“Meat n Eat” liegt an dieser Restaurantmeile. Hier kann man mal eben zwischendurch einen Kaffee trinken, aber auch richtig Mittagessen. Ansonsten wird das Obergeschoss der Snackbar gerne von Studenten für Gruppenarbeiten genutzt. Zwar bietet “Meat & Eat”, wie so ziemlich jede maltesische Snackbar, Baguettes, Wraps und Sandwiches an - die sind hier aber nichts Besonderes. Unbedingt probiert haben muss man hier die Pasta-Gerichte. Die gibt’s schon ab vier Euro - und die schmecken wie acht. Von der Pesto-Pasta über klassische Spaghetti Bolognese bis hin zu Käse-Sahne-Tortellini - frisch, lecker und günstig. Hinzu kommt ein sehr freundliches Personal - das ist in Malta nicht zwangsläufig Bedingung.
Cream Café, Msida.
Das Cream Café ist noch relativ neu an der Restaurantmeile und meine erste Wahl für frische belegte Baguettes. Für 3,50 Euro gibt es ein Baguette mit den unterschiedlichsten Belägen, serviert werden dazu ein kleiner Salat und Chips.
Pasha, Msida.
Auch im Pasha kann man leckere Baguettes essen - serviert werden diese mit Salat und Kuskus. Mein Favorit ist dort aber eher der Beef Burger. Auch Pasta gibt es im Pasha - allerdings nicht unter 7,50 Euro.
The Teambar, Lija.
Mein absoluter Favorit, wenn es um Burger geht. Wer in die University Residence zieht, sollte hier unbedingt mal vorbeischauen (ist in der Nähe der Kirche) und den “D-Bacon” bestellen. Der Burger wird mit Pommes, Salat und Soßen serviert - man kann sich den Burger dann nach seinen eigenen Vorstellungen zusammenbauen. Das Fleisch ist ein absoluter Traum. Als Vorspeise gibt es kostenlos Bruschetta, als Nachspeise manchmal noch Erdnüsse. Eigentlich ist die “Teambar” eine Fußballkneipe mit Bildschirmen an der Decke. Allerdings sehr stylisch und (wenn nicht gerade Spiele laufen) auch ohne gröhlende Fußballfans.
BR Guest, Birkirkara.
Ebenfalls eine warme Empfehlung für Residence-Insassen. Das Café “BR Guest” liegt direkt am Eingang zum Smart-Supermarkt. Hier gibt es eigentlich alles: Pasta, Burger und (meine persönliche Empfehlung): British Breakfast. Seit meinem Schottland-Urlaub auf jeden Fall ein regelmäßiges Muss - und BR Guest kann das auch genauso gut wie die Briten.
Ganz besonders toll in Malta: Fast alle Bars haben öffentliches W-LAN. Da lacht das Nerd-Herz.
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Malta, Alter: Das Auslandstagebuch (Folge 17)
Ein Semester in Malta - wir müssen reden. Wie sehen Austauschstudenden die Insel und die Leute? Wie ist das Nachtleben und die Uni? Alle Antworten in diesem Video.
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Schluss mit dem Lotterleben - ich bin im Prüfungsstress! Prüfungen in Malta sind aufwendiger als Zuhause und verlaufen genau so chaotisch wie alles andere an der Uni. Und da ich Weltmeister im prokrastinieren bin, schreibe ich euch statt zu lernen lieber was darüber in den Blog.
Wer Journalismus und PR in Gelsenkirchen studiert, muss zwar auch lernen und Arbeit in Hausarbeiten und Projekte stecken - allerdings ist das mit ein bisschen Anstrengung alles locker machbar. Wir reden untereinander auch oft vom “Chillmode” - im Vergleich zu anderen Fachbereichen oder Unis haben wir JPRler es echt gut und einen humanen, wunderbar strukturierten Prüfungsplan.
Die Uni Malta vermittelt zwar das ganze Semester diesen “Chillmode”-Eindruck (alles an der Uni verläuft super chaotisch und immer nach dem Motto “läuft schon irgendwie”). Der Aufwand für Prüfungen und Hausarbeiten ist aber höher und es herrschen strengere Bedingungen. Während wir Zuhause hauptsächlich am Ende des Semesters arbeiten müssen, überrascht uns die Uni Malta ständig mit neuen Hausarbeiten zwischendurch. Und die sind dann auch nicht einfach und schnell gemacht - da hat man tatsächlich sowas wie Arbeit mit.
Abgesehen davon schreibt man hier am Ende eines Kurses keine Klausur ODER Hausarbeit - nein, hier schreibt man eine Klausur UND eine Hausarbeit. So zum Beispiel in meinem Lieblingsfach “Gender in Communications”. Das Lehrmaterial besteht aus einem Monsterpaket von Zetteln, Auszügen aus hunderten von Büchern und sonstigem Kram, den ich mir natürlich noch nicht angeguckt habe. Nix mit übersichtlichen Vorlesungsskripten auf dem Uni-Server wie Zuhause. Das gilt übrigens für sämtliche Kurse an der Uni. Vom digitalen Fortschritt und Regenwald-Abholzung hat man auf dieser Insel scheinbar noch nichts gehört.
Noch ein Vergleich: Für einen Fotokurs in Gelsenkirchen muss man Fotos zu verschiedenen Themen schießen und maximal eine DIN-A4-Seite schreiben. In Malta muss man Fotos zu verschiedenen Themen schießen, diese selbst in der Dunkelkammer entwickeln, ein Fotogramm basteln, Fotos drucken, zu jedem Bild 80 Wörter und sämtliche Kameraeinstellungen schreiben, und anschließend alles mit Titel auf ein Stücke Pappe kleben. Allein diese Bastelarbeit hat nix mit Fotografieren zu tun, fließt aber trotzdem in die Bewertung ein und frisst kostbare Zeit. Abgesehen davon müssen wir für sämtliche Materialkosten selbst aufkommen. Eine Packung Fotopapier: 30 Euro.
Im Fach “Scripting Video” bekomme ich wöchentlich eine zehn- bis 30-seitige Monster E-Mail mit Vorlesungsinhalten. Der Dozent gibt sich auch gar nicht erst die Mühe da ein übersichtliches PDF draus zu machen. Der kloppt sein Geschwafel einfach ohne Punkt und Komma in die E-Mail. Aber immerhin benutzt er das Internet. Im Radiokurs “Basic Audio” muss ich ein Radioprogramm mit Interviews abliefern. An der ganzen Uni kann man aber keine Aufnahmegeräte leihen. Und so halte ich Menschen meine Kamera unter die Nase und erkläre, dass ich nur den Ton aufnehme. Peinlich. Gut ausgestattet ist immerhin das Fernsehstudio. Im Video-Kurs (Ziel ist, bei einer eigenen Fernsehsendung Regie zu führen), lernen wir den Umgang mit Hightech-Medien, wie dem Videorekorder.
Genug genörgelt. Ich widme mich jetzt wieder dem “Gender in communications”-Moster-Paket Facebook und gucke mir Posts von Leuten an, denen es noch schlechter geht als mir. Das baut auf.
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San Ġiljan, Malta at night.
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Die Weihnachtsferien sind vorbei, der letzte Monat in Malta bricht an. Auf der einen Seite macht es mich traurig, dass bald alles vorbei ist. Auf der anderen Seite bin ich dann auch meine Messie-Mitbewohner los, die mir eine ganz neue Seite von Respektlosigkeit gezeigt haben.
Zwei Wahnsinnswochen liegen hinter mir. Weihnachten in Schottland, Silvester mit Besuch aus der Heimat. Schöner hätte ich die Feiertage außerhalb der Heimat kaum verbringen können. Am liebsten würde ich den letzten Monat hier genauso entspannt verbringen. Mit vielen Ausflügen und mit den Leuten, die ich mag. Leider wird meine Zeit in Malta eher ätzend zu Ende gehen. Ich muss nicht nur jede Menge Klausuren schreiben und Projektarbeiten fertig machen – mit dem Ende der Ferien kehren auch meine Messie-Mitbewohner in unser Apartment zurück.
Zunächst muss natürlich erwähnt werden, dass nicht all meine Mitbewohner so sind. Ich lebe in einem viel zu kleinen Apartment mit viel zu vielen Leuten. Und dafür geht es hier erstaunlich entspannt zu. Ein Teil meiner Mitbewohner verhält sich so, wie es für so einer Situation angemessen ist. Der Rest hat immerhin in den ersten Wochen Einsatz gezeigt. Inzwischen beschränkt sich der Einsatz aber ausschließlich auf die eigenen Belange.
Die meisten sind, um mal Aaron zu zitieren, „not the brightest crayon in the box.“ Sie zocken von nachmittags 15 Uhr bis morgens um 7 Uhr Ballerspiele in der Küche. Dabei ist ihnen nicht nur die Lautstärke und der Muff völlig egal – auch das Geschirr stapelt sich in Bergen um sie herum. Wer es benutzen will, muss es vom Boden aufsammeln und die pampigen Essensreste selbst davon entfernen. Kurz vor Weihnachten wurde dann spontan beschlossen, in einer viel zu kleinen Küche ohne Fenster zu rauchen. Ob eine Etage höher frisch gewaschene Wäsche hängt, die anschließend wie ein Aschenbecher riecht – scheiß egal.
Nach unserem Schottland-Urlaub erwarteten uns ein beißender Gestank und zwei völlig vergammelte Töpfe in der Küche. Der restliche Inhalt des Kühlschranks schimmelte gleich mit. Und nein, das sieht in dem Video nicht nur so aus: Der Topf stand wirklich mitten auf dem Küchentisch. So als Weihnachtsgeschenk.
Und dann essen diese Mitbewohner auch noch anderer Leute Essen auf und denken, dass Shampoo und Klopapier kostenlos von der Decke fallen. Zumindest kaufen sie nie welches, benutzen aber stets das Hab und Gut anderer. Auch sind diese Mitbewohner ganz offensichtlich nicht zum studieren hier. Egal, wie früh ich am nächsten Tag in der Uni sein muss: Das Ballerspiel läuft auf Lautstärke 100 - und im Haus wird gebrüllt, dass die Wände wackeln. Einige haben bereits Abmahnungen von der Uni erhalten, für unregelmäßiges Erscheinen.
Sowas wie Unordentlichkeit würde mich gar nicht mal stören. Ich bin selbst nicht der Ordentlichste. Ich räume meine Wohnung normalerweise erst auf, wenn ich über Dinge stolpere - und dreckiges Geschirr lasse ich auch mal einen Tag zu lang in der Spüle stehen. Doch all das ist nichts gegen das, was ich in den vergangenen Monaten in Malta erleben musste. Und viel schlimmer ist diese völlig neue Erfahrung von Respektlosigkeit. Ich laufe täglich kopfschüttelnd durch das Haus, und frage mich, warum diese Leute so sind. Warum denen ihre Mitmenschen so völlig egal sein können. Warum nicht mal der kleinste Funken Ehrgeiz vorhanden ist, es anderen hier einigermaßen lebenswert zu machen.
Natürlich haben wir uns schon mehrmals beschwert und versucht, sowas wie Einsicht zu wecken. Das war aber der berühmte Schuss in den Ofen. Diese Menschen sind nicht zu ändern. Die verstehen einfach nicht, dass es hier nicht nur um Geschirr geht („das ist meine Pfanne, also entscheide ich, wann ich die spüle“). Die verstehen nicht, dass neben ihnen noch andere Leute hier leben, auf die man ein bisschen Rücksicht nehmen könnte. Naja, „not the brightest crayon in the box“ halt.
Mittlerweile bunkern Aaron und ich unser Hab und Gut in unserem Zimmer. Ich finde das total assi, so wollte ich eigentlich nie sein. Aber es geht nicht anders. Und einkaufen gehen werde ich künftig auch nur noch selten. Da ist wirklich genug Zeug im Kühlschrank, das ich einfach benutzen kann. Scheiß egal halt.