So much love in Denmark.
Ein Wochenende in Dänemark.
Dieses Wochenende bin ich in Dänemark unterwegs, genauer gesagt in Sønderjylland. Ich werde euch die nächsten Tage also wieder mit Fotos zuballern - mal totgefilterte iPhone-Schnappschüsse, mal was Professionelles. Fangen wir mit einem Hipster-Frühstücksbild an. Viel Spaß!
Video: Krawall-Jugendliche an der Domplatte.
Für buerpott.de haben Sebastian Lange und ich einen Beitrag über Krawall-Jugendliche in Gelsenkirchen-Buer gedreht. Die Domplatte ist ihr Treffpunkt - wir haben uns mit den Jugendlichen und Anwohnern unterhalten.
Antonia geht seit 30 Jahren an der Gelsenkirchener Bickernstraße anschaffen. Ihre Mutter hat sie damals dazu verleitet - heute steht sie hier wegen des guten Geldes. Wir haben mit Antonia über ihren Job als Prostituierte gesprochen.
Eine Reportage von Anne Weiser, Matthias Schwarzer und Sebastian Lange.
Antonia ist alles andere als schüchtern, als wir zu dritt und mit zwei Kameras vor ihrem Wohnwagen auftauchen. “Finde ich super”, sagt sie, als wir sie um ein Interview bitten. Die Gesellschaft habe ja viele Vorurteile gegenüber Prostituierten. Sie würde gerne erzählen, wie es wirklich ist. Nur zwei Bedingungen hat sie: Wir sollen nur ihren zweiten Vornamen Antonia verraten, und sie möchte eine Maske für ihr Gesicht - sie hat Angst erkannt zu werden. Wir kaufen ihr zwei Glitzer-Stirnbänder bei KiK. Antonia ist begeistert.
Dann lässt sie uns in ihren Wohnwagen. An einem Kleiderhaken an der Wand hängen Handschellen, auf einer Kommode stehen Getränke, Reinigungstücher, Desinfektionsspray und Dildos. Es ist warm an ihrem Arbeitsplatz, denn sie hat einen Ofen. “Das können nicht alle von sich behaupten”, sagt sie. Die jungen Frauen an der Straße hätten keinen Wagen und stünden den ganzen Tag in der Kälte. Wir nehmen auf einer Eckbank Platz, legen das Hundekörbchen zur Seite. Antonias Hund ist immer dabei, wartet aber meist im Auto.
“Ich verdiene hier mehr Geld, als wenn ich woanders arbeite.”
Antonia erzählt uns, dass sie schon seit 30 Jahren an der Bickernstraße steht. “Mich hat kein Mann dazu gebracht”, erklärt sie. “Bei mir war es die eigene Mutter.” Die sei schon Prostituierte gewesen und habe den Straßenstrich damals aufgebaut. “Und wie ein Arzt seinem Sohn die Praxis vererbt, habe ich sofort mit 18 diesen Job von meiner Mutter übernommen.” Schule und Ausbildung seien ihrer Mutter egal gewesen. “Und ich war damals nur ein Kind und habe getan, was meine Mutter sagt.” Heute steht Antonia aus einem einfachen Grund noch auf dem Straßenstrich: “Ich verdiene mehr Geld, als wenn ich acht Stunden irgendwo anders arbeite.”
Ganz so einfach sei das mit der Bezahlung heute aber auch nicht mehr. “Vor allem seit der Euro da ist, merkt man den Unterschied.” Früher habe Sie am Tag bis zu 900 Mark verdient. Wenn sie heute mal 200 verdient, sei sie “King”, sagt sie. Manchmal verdiene sie auch nur 25 Euro oder gar nichts.
“Meine Söhne wissen, was ich mache.”
An der Bickernstraße hat Antonia eine Art Vorrecht: “Ich bin am längsten hier und werde von den anderen respektiert. Ich bin aber nicht die Chefin - eher die Puffmutter. Ich helfe den anderen Frauen und zeige ihnen, wie das hier läuft.” Auch habe Sie hier fast als Einzige keinen Zuhälter. Die anderen Frauen, meist Rumäninnen und Bulgarinnen, würden hier arbeiten, damit sie sich in der Heimat etwas aufbauen können.
Antonia war 17 Jahre mit einem Autohändler verheiratet und hat mit ihm zwei Söhne. Weil ihr Mann die Familie alleine ernähren konnte, hörte sie mit der Prostitution auch zwischenzeitlich auf. Doch dann begann ihr Mann, Drogen zu nehmen. Antonia trennte sich und landete wieder auf dem Straßenstrich. Ihre Söhne wissen, was sie macht: “Dem einen habe ich es ruhig und sachlich vermittelt. Der andere hat es knallhart von seinem Vater erfahren.” Der jüngere käme ganz gut damit zurecht, der ältere habe große Probleme damit. In ihrer Nachbarschaft weiß inzwischen jeder von ihrem Job: “Ich gehe offen damit um - das ist die beste Lösung.” Sie sei sie auch vollkommen integriert. Niemand rede schlecht über ihren Job.
Auf der Suche nach der wahren Liebe.
Der typische Kunde am Straßenstrich sei der Ehemann. “Wir Prostituierten sind in gewisser Weise Eheretter”, sagt Antonia. Wenn Zuhause im Bett nichts mehr laufe, kommen die Männer zu ihr. “So läuft die Ehe ganz normal weiter.” Neben Ehemännern kämen mal ganz selten Singles oder “Perverse” zu ihr. Die Perversen würde sie aber sofort weiterschicken. “Die wollen ganz kranke Sachen”, erklärt sie. “Zum Beispiel blutig geschlagen oder mit gebrauchten Kondomen eingerieben werden.” Das würde sie niemals mitmachen - ganz im Gegensatz zu den anderen Frauen an der Straße.
Trotz täglicher Männerbekanntschaften sehnt sich Antonia nach einer festen Beziehung. “Ich hoffe immer, dass mal der Richtige kommt”, sagt sie. Auf dem Straßenstrich macht sie sich aber keine Hoffnungen: “Hier ist keine Liebe im Spiel, ich mache nur meinen Job. Und die Männer lernt man hier nicht kennen.”
Dann zieht sich Antonia ihre goldenen Schuhe an. “Die sehen richtig schön nuttig aus für’s Video” sagt sie, bevor wir ein paar Schnittszenen mit ihr drehen und uns verabschieden. “Ihr könnt ja noch mal wieder kommen”, ruft sie uns hinterher. “Über mein Leben könnte man ein ganzes Buch schreiben.”



